trauer & beileid

Todesfall & Fristen

Sonderurlaub bei Todesfall: Wie viele Tage dir zustehen

Zwei Arbeitstage im öffentlichen Dienst, keine feste Zahl in der Privatwirtschaft: Was bei Sonderurlaub bei Todesfall gilt — mit Rechtsgrundlage je Beschäftigungsverhältnis.

7 Min · zuletzt geprüft 30.08.2026 · Maik Möhring

Ein leerer, sonnendurchfluteter Büroflur als Symbol für die Abwesenheit beim Thema Sonderurlaub bei Todesfall.
Mit KI erzeugtes Symbolbild

Lesezeit 6 Minuten · Zuletzt geprüft am 28.08.2026

Nach einem Sterbefall stellt sich die Frage nach der Arbeit meist am zweiten Tag: Wer
meldet den Tod beim Standesamt, wer geht zum Bestatter, und wie kommst du dafür aus dem
Betrieb? Sonderurlaub bei Todesfall ist dabei kein zusätzlicher Urlaub,
sondern eine bezahlte Freistellung von der Arbeit. Wie viele Tage dir zustehen, hängt
davon ab, ob du im öffentlichen Dienst beschäftigt bist, in der Privatwirtschaft
arbeitest oder Beamtin oder Beamter bist — und ob dein Arbeitsvertrag die gesetzliche
Grundlage ausschließt.

Im öffentlichen Dienst sind es 2 Arbeitstage beim Tod von Ehegatte, Lebenspartner,
Kind oder Elternteil.Quelle § 29 TVöD — Arbeitsbefreiung · Stand 28.08.2026 Für Beamtinnen und Beamte des Bundes
gilt dieselbe Zahl.Quelle § 21 SUrlV — Sonderurlaub aus persönlichen Anlässen · Stand 03.03.2026 In der Privatwirtschaft gibt es
keine feste Tageszahl: Dort greift § 616 BGB, der nur von einer verhältnismäßig
nicht erheblichen Zeit spricht — und der im Arbeitsvertrag wirksam ausgeschlossen werden
kann.Quelle § 616 BGB — Vorübergehende Verhinderung · Stand geltende Fassung

Wer Anspruch auf Sonderurlaub bei Todesfall hat

Der Anspruch entsteht nicht aus dem Bundesurlaubsgesetz, sondern aus drei
verschiedenen Quellen, je nach Beschäftigungsverhältnis. Tarifbeschäftigte im
öffentlichen Dienst finden ihn in § 29 des Tarifvertrags, Beamtinnen und Beamte in einer
Sonderurlaubsverordnung, alle übrigen Beschäftigten in § 616 BGB. Die Unterschiede sind
erheblich: Im ersten und zweiten Fall steht eine Zahl im Text, im dritten nicht.

§ 616 BGB sagt, dass der Vergütungsanspruch bestehen bleibt, wenn jemand für eine
verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit aus einem in seiner Person liegenden Grund
unverschuldet an der Arbeit gehindert ist.Quelle § 616 BGB — Vorübergehende Verhinderung · Stand geltende Fassung Der Tod eines nahen
Angehörigen zählt zu diesen Gründen. Wie lang die Freistellung ausfällt, sagt die Norm
nicht — sie hängt am konkreten Anlass, nicht an einem Kontingent.

Wie viele Tage Sonderurlaub bei Todesfall zustehen

Beschäftigungsverhältnis Rechtsgrundlage Bezahlte Freistellung
Öffentlicher Dienst, Bund und Kommunen § 29 Abs. 1 Buchst. b TVöD 2 ArbeitstageQuelle § 29 TVöD — Arbeitsbefreiung · Stand 28.08.2026
Öffentlicher Dienst der Länder § 29 Abs. 1 Buchst. b TV-L 2 ArbeitstageQuelle § 29 TV-L — Arbeitsbefreiung (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) · Stand 09.12.2023
Beamte und Richter des Bundes § 21 Abs. 1 SUrlV 2 ArbeitstageQuelle § 21 SUrlV — Sonderurlaub aus persönlichen Anlässen · Stand 03.03.2026
Beamte der Länder Sonderurlaubsverordnung des Landes je nach Land unterschiedlich
Privatwirtschaft, tarifgebunden Tarifvertrag der Branche meist 1 bis 2 Arbeitstage, je nach Katalog
Privatwirtschaft, ohne Tarifbindung § 616 BGB keine feste ZahlQuelle § 616 BGB — Vorübergehende Verhinderung · Stand geltende Fassung
Auszubildende § 19 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b BBiG Vergütung bis zu 6 Wochen fortQuelle § 19 BBiG — Fortzahlung der Vergütung · Stand 12.12.2019

Ein Unterschied zwischen den beiden Tarifwerken lohnt den zweiten Blick: Der TVöD
nennt neben Ehegatte und Lebenspartner auch die Lebensgefährtin oder den Lebensgefährten
in ehe- oder lebenspartnerschaftsähnlicher Gemeinschaft.Quelle § 29 TVöD — Arbeitsbefreiung · Stand 28.08.2026 Der
TV-L führt diese Gruppe nicht auf.Quelle § 29 TV-L — Arbeitsbefreiung (Tarifgemeinschaft deutscher Länder) · Stand 09.12.2023 Wer unverheiratet
zusammenlebt, steht damit im Landesdienst anders da als bei einer Kommune.

Was bei Geschwistern, Großeltern und Schwiegereltern gilt

Der Katalog in § 29 Abs. 1 TVöD ist abschließend. Geschwister, Großeltern,
Schwiegereltern, Onkel und Tanten stehen nicht darin — aus dem Katalog folgt für sie also
kein Anspruch. § 29 Abs. 3 TVöD eröffnet dem Arbeitgeber aber ein Ermessen: In sonstigen
dringenden Fällen kann er bis zu 3 Arbeitstage freistellen, wahlweise mit oder ohne
Entgelt.Quelle § 29 TVöD — Arbeitsbefreiung · Stand 28.08.2026 Das ist eine Kann-Regelung, kein Anspruch.

In der Privatwirtschaft ohne Tarifbindung liegt der Fall anders, weil § 616 BGB
überhaupt keine Liste von Angehörigen kennt. Maßgeblich ist, ob die Verhinderung
persönlich, unverschuldet und kurz ist. Je enger die tatsächliche Beziehung und je näher
die eigene Rolle bei der Bestattung, desto eher trägt die Begründung. Eine belastbare
Aussage für den Einzelfall lässt sich daraus nicht ableiten — dafür kommt es auf den
Arbeitsvertrag und einen etwaigen Tarifvertrag an.

Wenn der Arbeitsvertrag § 616 BGB ausschließt

§ 616 BGB ist dispositiv. Er kann durch Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder
Betriebsvereinbarung eingeschränkt oder ganz abbedungen werden; das Bundesarbeitsgericht
hat die einzelvertragliche Abbedingung ausdrücklich für zulässig gehalten.Quelle BAG, Urteil vom 07.02.2007 — 5 AZR 270/06 · Stand 07.02.2007 Steht im Vertrag ein Satz wie „Die Anwendung des § 616 BGB
wird ausgeschlossen“ oder „Vergütet wird nur tatsächlich geleistete Arbeit“, gibt es für
die Fehltage kein Geld.

Die Freistellung selbst entfällt damit nicht — nur die Bezahlung. Wer in dieser Lage
ist, hat praktisch drei Wege: unbezahlte Freistellung, Erholungsurlaub oder eine
Vereinbarung mit dem Betrieb. Auch ein Tarifvertrag mit abschließendem Freistellungskatalog verdrängt § 616 BGB. Dann gilt genau das, was im Katalog steht, und nichts
darüber hinaus.

Todestag und Beerdigung liegen auseinander — was dann?

Die Freistellung knüpft an den konkreten Verhinderungsgrund, nicht an einen Zeitraum
nach dem Sterbefall. Sie muss deshalb nicht am Stück genommen werden: ein Tag für die
Formalitäten in den ersten Tagen, ein Tag für die Beisetzung. Zwischen Tod und Bestattung
liegen regelmäßig ein bis zwei Wochen, weil die Bestattungsfristen der Länder
unterschiedlich sind und Termine beim Friedhof vergeben werden müssen. Welche Frist an
deinem Ort gilt, steht im
Vergleich der Bestattungsfristen.

Der Arbeitgeber muss der Verteilung zustimmen, wenn er die Tage nicht ohnehin nach
Absprache gewährt. Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, sollte den Antrag früh stellen:
Die Tarifregelung setzt den Anlass voraus, nicht einen Antrag zum richtigen Zeitpunkt,
aber die Praxis in den Personalstellen ist unterschiedlich.

Welchen Nachweis der Arbeitgeber verlangen darf

Üblich und zulässig ist der Nachweis des Anlasses. In der Regel genügt die
Sterbeurkunde oder eine Kopie davon; bei der Beisetzung reicht die Traueranzeige oder die
Bestätigung des Bestattungsunternehmens. Wie du die Urkunde bekommst und wie viele
Ausfertigungen sinnvoll sind, steht unter
Sterbeurkunde beantragen. Angaben zur
Todesursache gehen den Arbeitgeber nichts an.

Wer gerade erst mit den Formalitäten beginnt, findet die Reihenfolge unter
Was tun im Todesfall. Die finanzielle Seite —
wer die Rechnung des Bestatters trägt und wann das Sozialamt einspringt — steht unter
Bestattungskosten: wer zahlt.

Häufige Fragen

Ist Sonderurlaub bei Todesfall bezahlt? Im öffentlichen Dienst und im Beamtenverhältnis ja, das Entgelt beziehungsweise die
Besoldung läuft weiter.Quelle § 29 TVöD — Arbeitsbefreiung · Stand 28.08.2026 In der Privatwirtschaft nur, solange
§ 616 BGB nicht im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag ausgeschlossen ist. Ein Blick in den
eigenen Vertrag beantwortet die Frage meist in zwei Minuten.

Wie viele Tage Sonderurlaub bei Todesfall des Vaters oder der Mutter? Beim Tod eines Elternteils sind es im öffentlichen Dienst 2 Arbeitstage.Quelle § 29 TVöD — Arbeitsbefreiung · Stand 28.08.2026 Für Bundesbeamte gilt dieselbe Zahl.Quelle § 21 SUrlV — Sonderurlaub aus persönlichen Anlässen · Stand 03.03.2026 Ohne
Tarifbindung richtet sich die Dauer nach § 616 BGB und damit nach dem, was im Einzelfall
als verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit gilt.

Gibt es Sonderurlaub bei Todesfall der Schwester oder des Bruders? Der TVöD-Katalog nennt Geschwister nicht; aus ihm folgt deshalb kein Anspruch. Möglich
bleibt die Freistellung nach § 29 Abs. 3 TVöD im Ermessen des Arbeitgebers, bis zu
3 Arbeitstage.Quelle § 29 TVöD — Arbeitsbefreiung · Stand 28.08.2026 Einzelne kirchliche Arbeitsvertragsordnungen
führen Geschwister ausdrücklich auf — dort lohnt der Blick in die eigene Fassung.

Zählt der Sonderurlaub vom Jahresurlaub ab? Nein. Es handelt sich um eine bezahlte Freistellung von der Arbeitspflicht, nicht um
Erholungsurlaub. Der gesetzliche Urlaubsanspruch bleibt unberührt.

Was gilt für Auszubildende? Bei Auszubildenden greift § 19 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b BBiG: Die Vergütung wird
weitergezahlt, wenn sie aus einem in ihrer Person liegenden Grund unverschuldet
verhindert sind, und zwar bis zur Dauer von 6 Wochen.Quelle § 19 BBiG — Fortzahlung der Vergütung · Stand 12.12.2019 Die
Regelung ist damit für Azubis günstiger als § 616 BGB für Beschäftigte.

Kann der Arbeitgeber den Sonderurlaub ablehnen? Wo eine Tarif- oder Verordnungsregelung den Anlass nennt, besteht ein Anspruch; eine
Ablehnung wäre dort begründungsbedürftig. Wo nur § 616 BGB gilt und dieser
ausgeschlossen ist, besteht kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Die Frage, ob eine
konkrete Klausel wirksam ist, lässt sich nur mit dem Vertrag in der Hand beurteilen —
das ist eine Rechtsfrage, keine Redaktionsfrage.

Quellen

Dieser Text ordnet die Rechtslage ein und ersetzt keine
Rechtsberatung. Maßgeblich sind dein Arbeitsvertrag und ein für dich geltender
Tarifvertrag. Kurzdefinition im
Glossar: Sonderurlaub im Todesfall.