Wer nach einem Todesfall die Bestattungsarten vergleicht, findet im Netz meist eine Liste mit acht oder zehn Einträgen: Erdbestattung, Feuerbestattung, Seebestattung, Baumbestattung, anonyme Bestattung, Diamantbestattung. Diese Aufzählungen mischen zwei völlig verschiedene Ebenen — und genau diese Vermischung führt bei der Entscheidung in die Irre, weil längst nicht alle genannten Bestattungsarten überhaupt welche sind.
Das deutsche Bestattungsrecht kennt zwei Bestattungsarten: die Erdbestattung im Sarg und die Feuerbestattung mit anschliessender Beisetzung der Asche. Seit dem 18. Juni 2026 gibt es in Schleswig-Holstein als bundesweit erstem Land eine dritte, die Reerdigung. Alles andere — See, Wald, anonym — ist keine eigene Bestattungsart, sondern eine Beisetzungsform.
Quelle Ministerium für Justiz und Gesundheit Schleswig-Holstein, Pressemitteilung zur neuen Bestattungsart · Stand 18.06.2026Warum die Unterscheidung der Bestattungsarten praktisch wichtig ist
Die Bestattungsart entscheidet darüber, was mit dem Körper geschieht. Die Beisetzungsform entscheidet darüber, wo die Überreste danach hinkommen. Beides zusammen ergibt erst das, was die meisten Menschen unter ihrer Wunschbestattung verstehen.
Das ist keine Wortklauberei, sondern hat drei konkrete Folgen: Die Bestattungsart bestimmt, ob überhaupt eine Einäscherung nötig ist, ob eine zweite Leichenschau anfällt und welche Fristen laufen. Die Beisetzungsform bestimmt dagegen den grössten Teil der Kosten — und ob eine Grabpflege über Jahrzehnte dazukommt.
| Ebene | Was sie festlegt | Beispiele |
|---|---|---|
| Bestattungsart | Was mit dem Körper geschieht | Erdbestattung, Feuerbestattung, Reerdigung (nur Schleswig-Holstein) |
| Beisetzungsform | Wo die Überreste ihren Platz finden | Reihengrab, Wahlgrab, Urnengrab, Urnenwand, Bestattungswald, See |
| Gestaltung | Ob und wie der Ort benannt wird | namentlich, teilanonym, anonym |
Die Erdbestattung
Bei der Erdbestattung wird der Körper im Sarg beigesetzt, in aller Regel auf einem Friedhof. Sie ist die älteste der beiden Bestattungsarten und für gläubige Musliminnen, Juden und Teile der christlichen Traditionen die einzige in Frage kommende.
Kostenseitig ist sie die aufwendigste Variante: grössere Grabstelle, entsprechend höhere Friedhofsgebühren, Sarg statt Urne, dazu meist ein Grabmal und eine Bepflanzung, die über die gesamte Ruhezeit gepflegt werden muss. Wie stark das durchschlägt, hängt an der Gebührensatzung deiner Gemeinde — dazu steht mehr unter Bestattungskosten. Alle belegten Angaben dieser Seite stehen gesammelt im Quellenverzeichnis.
Die Feuerbestattung
Bei der Feuerbestattung wird der Körper eingeäschert, die Asche kommt in eine Urne. Erst danach fällt die Entscheidung über die Beisetzungsform, und genau darin liegt ihr praktischer Vorteil: Aus einer Feuerbestattung heraus sind Urnengrab, Urnenwand, Bestattungswald und Seebestattung möglich.
Vor jeder Einäscherung steht in Deutschland eine zweite Leichenschau. Sie verursacht zusätzliche Kosten und kostet Zeit — ein Grund, warum eine Feuerbestattung terminlich oft später liegt als eine Erdbestattung.
Die Reerdigung — neu und vorerst auf ein Bundesland begrenzt
Bei der Reerdigung wird der Leichnam in einem geschlossenen Behältnis auf pflanzliches Material gebettet und innerhalb weniger Wochen zu humusartiger Erde umgewandelt, die anschliessend beigesetzt wird. Das Verfahren wurde in Schleswig-Holstein seit 2022 wissenschaftlich begleitet erprobt; die Rechtsmedizin der Universität Leipzig hat den Prozess untersucht.
Am 18. Juni 2026 hat der Landtag in Kiel einstimmig beschlossen, sie dauerhaft ins Bestattungsgesetz aufzunehmen — als „beschleunigte Verwesung“ neben Erdbestattung und Einäscherung.
Quelle Landtag Schleswig-Holstein, Beschluss zur Änderung des Bestattungsgesetzes · Stand 18.06.2026Wichtig für die Praxis: Diese Bestattungsart gilt nur in Schleswig-Holstein. In allen anderen Bundesländern ist sie nicht vorgesehen. Ob weitere Länder nachziehen, ist offen — belastbare Ankündigungen liegen uns nicht vor.
Die Beisetzungsformen im Überblick
Hier liegt die eigentliche Wahlfreiheit. Die Bestattungsarten selbst lassen kaum Spielraum — die Beisetzungsform dagegen entscheidet, welcher Kostenposten anfällt und welcher komplett entfällt.
| Beisetzungsform | Setzt voraus | Entfällt dabei |
|---|---|---|
| Reihengrab | Erd- oder Feuerbestattung | freie Platzwahl, Verlängerung |
| Wahlgrab | Erd- oder Feuerbestattung | — |
| Urnengrab, Urnenwand | Feuerbestattung | grosse Grabfläche |
| Bestattungswald | Feuerbestattung | Grabmal, Grabpflege |
| Seebestattung | Feuerbestattung | Grabmal, Grabpflege, Friedhofsgebühren |
| anonyme Beisetzung | Erd- oder Feuerbestattung | Grabmal, Beschriftung, meist Grabpflege |
Die anonyme Beisetzung ist dabei keine eigene Bestattungsart, sondern nur der Verzicht auf die namentliche Kennzeichnung. Sie ist deutlich günstiger — mit einer Folge, die sich nicht in Euro ausdrücken lässt: Es gibt keinen benannten Ort, an den Angehörige zurückkehren können. Wer diese Entscheidung für jemand anderen trifft, entscheidet damit auch über die Trauermöglichkeiten aller anderen.
Friedhofszwang und seine Ausnahmen
In Deutschland gilt der Friedhofszwang: Beigesetzt wird grundsätzlich auf einem Friedhof. Ausgenommen sind die Seebestattung und die Beisetzung in einem Bestattungswald. Das Bestattungsrecht ist Ländersache, deshalb unterscheiden sich die Einzelheiten zwischen den sechzehn Landesgesetzen — bis hin zur Frage, ob eine Urne die Grabstätte verlassen darf.
Die maximale Frist bis zur Beisetzung setzt ebenfalls das jeweilige Landesgesetz. Eine belegte Gegenüberstellung aller sechzehn Fristen liegt uns noch nicht vor; sobald sie steht, findest du sie unter Was tun im Todesfall. Bis dahin gilt: Frag beim Standesamt oder beim Friedhofsträger nach, nicht bei einer Übersichtsseite im Netz.
Was welche Wahl kostet
Als Orientierung nennt die Verbraucherinitiative Aeternitas 5.000 bis 6.000 Euro ohne Grabgestaltung und 7.000 bis 8.000 Euro mit Grabmal und Grabanlage. Die Differenz von rund 2.000 Euro ist der Posten, den anonyme Beisetzung, Bestattungswald und Seebestattung ganz oder überwiegend einsparen.
Quelle Aeternitas e. V., Kostenüberblick · Stand 25.08.2026Was diese Zahlen nicht hergeben: eine belastbare Aufschlüsselung je Bestattungsart. Wir tragen sie zusammen, sobald belegbare Werte vorliegen — geschätzte Vergleichstabellen, wie sie auf vielen Seiten stehen, wirst du hier nicht finden. Der Posten, der sich am stärksten unterscheidet und den kaum jemand nennt, sind ohnehin die kommunalen Friedhofsgebühren.
Häufige Fragen
Wie viele Bestattungsarten gibt es in Deutschland? Zwei: Erdbestattung und Feuerbestattung. In Schleswig-Holstein seit dem 18. Juni 2026 zusätzlich die Reerdigung. Was sonst als eigene Art aufgeführt wird, ist eine Beisetzungsform.
Wer entscheidet über die Bestattungsart? In erster Linie der Wille der verstorbenen Person, etwa in einer Bestattungsverfügung. Fehlt eine solche Erklärung, entscheiden die Angehörigen in der Rangfolge, die das Landesbestattungsgesetz vorgibt.
Ist die Feuerbestattung günstiger als die Erdbestattung? In der Regel ja, weil die Grabstelle kleiner ausfällt und die Grabpflege geringer ist. Belastbare Durchschnittswerte für diese Differenz liegen uns nicht vor, deshalb steht hier keine Zahl.
Darf die Urne mit nach Hause? Grundsätzlich nicht — es gilt der Friedhofszwang. Einzelne Bundesländer haben ihre Bestattungsgesetze in den letzten Jahren geöffnet; was in deinem Land gilt, steht im jeweiligen Landesgesetz. Eine geprüfte Übersicht dazu bauen wir gerade auf.
Was ist der Unterschied zwischen Bestattung und Beerdigung? Beerdigung meint sprachlich die Erdbestattung, wird umgangssprachlich aber für jede Form verwendet. Weitere Begriffe stehen im Glossar.
Quellen
- Ministerium für Justiz und Gesundheit Schleswig-Holstein, Pressemitteilung vom 18.06.2026
- Landtag Schleswig-Holstein, Beschluss zur Änderung des Bestattungsgesetzes, 18.06.2026
- § 15 Abs. 1 Bestattungsgesetz Schleswig-Holstein
- Aeternitas e. V., Kostenüberblick, Stand 2026
Dieser Text ordnet die Rechtslage ein und ersetzt keine Rechtsberatung. Bestattungsrecht ist Ländersache — was in deinem Bundesland gilt, kann abweichen.