Die Rentenversicherung erfährt vom Tod — zahlen tut sie deshalb noch lange nicht. Hinterbliebenenrente gibt es nur auf Antrag, und wer zu spät kommt, verliert unter Umständen Monate.
Wer Hinterbliebenenrente beantragen will, wendet sich an den Rentenversicherungsträger — kostenfrei auch über eine Versichertenberatung. In den ersten drei Monaten wird die Rente in Höhe der vollen Rente des Verstorbenen gezahlt, ohne Anrechnung von Einkommen. Auf diesen Zeitraum gibt es einen Vorschuss, oft binnen weniger Tage.
Hinterbliebenenrente beantragen: wer Anspruch hat
| Leistung | Für wen |
|---|---|
| Witwen- und Witwerrente | Ehegatten und eingetragene Lebenspartner |
| Waisenrente | Kinder, in Ausbildung oder Studium in der Regel bis 27 |
| Erziehungsrente | Geschiedene, die ein Kind erziehen — Sonderfall |
Voraussetzung ist, dass der Verstorbene die allgemeine Wartezeit erfüllt hat. Unterschieden wird außerdem zwischen kleiner und großer Witwenrente; welche greift, hängt unter anderem von Alter, Kindererziehung und Erwerbsminderung ab.
Unverheiratete Partner haben keinen Anspruch, unabhängig davon, wie lange die Beziehung bestand. Systematik und Begriffe stehen unter Hinterbliebenenrente.
Das Sterbevierteljahr und der Vorschuss
In den ersten drei Kalendermonaten nach dem Tod wird die Witwen- oder Witwerrente in Höhe der vollen Rente des Verstorbenen gezahlt. Eigenes Einkommen wird in dieser Zeit nicht angerechnet.
Darauf gibt es einen Vorschuss, den die Deutsche Post auszahlt oder der direkt beim Träger beantragt wird. Nötig sind Sterbeurkunde und die Rentennummer des Verstorbenen. Für Angehörige, deren Konten gesperrt sind, ist das häufig das erste Geld überhaupt — und genau deshalb kennen viele diesen Weg nicht rechtzeitig.
Verwechsle das nicht mit Sterbegeld: Das Sterbevierteljahr ist eine laufende Rentenleistung, kein Zuschuss zur Bestattung. Aus der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es Sterbegeld seit 2004 nicht mehr.
Hinterbliebenenrente beantragen: so gehst du vor
Der Antrag läuft über den Rentenversicherungsträger. Kostenfreie Hilfe beim Ausfüllen bieten die Versichertenberaterinnen und -berater der Deutschen Rentenversicherung sowie Auskunfts- und Beratungsstellen — das lohnt sich, weil Fehler im Antrag die Bearbeitung um Wochen verzögern.
Bereithalten solltest du: Sterbeurkunde, Rentennummer oder Versicherungsnummer beider Personen, Heiratsurkunde, Personalausweis, Bankverbindung und gegebenenfalls Nachweise über eigenes Einkommen.
Stell den Antrag früh. Wird er später als drei Monate nach dem Todesmonat gestellt, wird die Rente in der Regel erst ab dem Antragsmonat gezahlt — die Zeit davor ist dann verloren.
Warum später Rückforderungen kommen
Nach dem Sterbevierteljahr wird eigenes Einkommen über einem Freibetrag angerechnet und mindert die Rente. Das trifft Berufstätige regelmässig unerwartet.
Die häufigste Ursache für Rückforderungen ist aber eine andere: nicht gemeldete Änderungen. Wer eine Stelle antritt, mehr verdient, wieder heiratet oder eine eigene Rente bezieht, muss das mitteilen. Geschieht das nicht, zahlt der Träger zu viel — und fordert es zurück, oft Jahre später und in einer Summe.
Bei Wiederheirat entfällt der Anspruch; dafür kommt eine Rentenabfindung in Betracht.
Was neben dem Antrag zu regeln ist
Renten werden im Voraus gezahlt. Beträge für die Zeit nach dem Tod werden zurückgefordert — auch von Personen, die über das Konto verfügt haben. Rühr dieses Geld nicht an und warte den Bescheid ab; Einzelheiten unter Rentenüberzahlung.
Prüf außerdem betriebliche Altersversorgung, Versorgungswerke, Zusatzversorgungskassen und Berufsgenossenschaft. Bei einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit kommen eigene Hinterbliebenenleistungen in Betracht.
Die Fristen der ersten Wochen stehen unter was tun im Todesfall, die nötigen Urkunden unter Sterbeurkunde beantragen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, die Hinterbliebenenrente zu beantragen? Das unterscheidet sich stark. Der Vorschuss für das Sterbevierteljahr ist der schnelle Weg, während der Hauptantrag läuft.
Bekomme ich Rente, wenn ich selbst gut verdiene? Im Sterbevierteljahr ja, ohne Anrechnung. Danach wird Einkommen über dem Freibetrag angerechnet; ein Anspruch kann dennoch bestehen.
Was ist mit geschiedenen Ehegatten? Unter engen Voraussetzungen können Ansprüche bestehen, wenn die Ehe vor 1977 geschieden wurde. Lass das prüfen, statt es selbst zu beurteilen.
Erhalten Kinder zusätzlich Waisenrente? Ja, sie ist eine eigene Leistung neben der Witwen- oder Witwerrente und wird gesondert beantragt.
Muss ich Änderungen melden? Ja, unverzüglich. Neues Einkommen, Wiederheirat oder eigene Rente wirken sich aus — unterbliebene Meldungen sind der häufigste Grund für spätere Rückforderungen.
Quellen
- Sechstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI) zu Renten wegen Todes
- Auskunft der Deutschen Rentenversicherung im Einzelfall
Höhe, Freibeträge und Voraussetzungen hängen vom Einzelfall ab und ändern sich; wir führen hier deshalb keine Beträge. Verbindlich ist die Auskunft des Rentenversicherungsträgers. Die Beratung dort ist kostenfrei.