trauer & beileid

Kondolenz & Worte

Trauer am Arbeitsplatz: Freistellung, Team, Rückkehr

Was Betroffenen zusteht, was Vorgesetzte konkret tun können und wie ein Team mit dem Tod eines Kollegen umgeht — ohne Floskeln und ohne Schweigen.

3 Min · zuletzt geprüft 27.08.2026 · Michelle Möhring

Nahaufnahme von grünem Efeu an einer Betonwand im Tageslicht als Sinnbild für Trauer am Arbeitsplatz.
Mit KI erzeugtes Symbolbild

Trauer am Arbeitsplatz erzeugt eine eigentümliche Lücke: Stirbt ein Kollege oder ein Angehöriger eines Kollegen, Alle wissen es, niemand weiß, wie man sich verhält.

Für Betroffene gilt: Freistellung nach § 616 BGB ist üblich, kann aber im Arbeitsvertrag ausgeschlossen sein. Für Kollegen gilt: konkrete Entlastung wirkt mehr als Beileidsformeln. Und für Vorgesetzte: früh fragen, was gewünscht ist, statt später zu raten.

Wenn ein Angehöriger stirbt: Freistellung

Nach § 616 BGB behalten Beschäftigte den Vergütungsanspruch, wenn sie für verhältnismässig kurze Zeit ohne eigenes Verschulden verhindert sind. Ein Todesfall in der Familie zählt dazu.

Quelle § 616 BGB — Vorübergehende Verhinderung · Stand geltende Fassung

Entscheidend ist der Vorbehalt: § 616 BGB kann vertraglich ausgeschlossen werden, und das geschieht häufig. Schau zuerst in den Arbeitsvertrag, dann in Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung — dort stehen oft konkrete Tage je Verwandtschaftsgrad. Einzelheiten unter Sonderurlaub im Todesfall.

Für längere Abwesenheit kommen Urlaub oder unbezahlte Freistellung in Betracht. Wer durch die Belastung selbst erkrankt, meldet sich krank — das ist kein Umweg, sondern der vorgesehene Weg.

Was Vorgesetzte tun sollten

Früh und direkt fragen, was gewünscht ist: Soll das Team informiert werden? Ist Kontakt erwünscht oder eher Ruhe? Wann rechnet die Person mit einer Rückkehr?

Konkret entlasten statt allgemein anbieten. Termine übernehmen, Vertretung regeln, Fristen verschieben — und das mitteilen, statt darauf zu warten, dass jemand darum bittet.

Die Rückkehr vorbereiten. Ein kurzes Gespräch vorab klärt, ob die Person angesprochen werden möchte oder nicht. Beides ist legitim; unangenehm wird es nur, wenn niemand es weiß.

Ein Kondolenzschreiben des Unternehmens gehört dazu — von einer Person unterschrieben, nicht von einer Abteilung. Aufbau und Beispiele unter Kondolenzschreiben.

Trauer am Arbeitsplatz: was Kollegen tun können

Der häufigste Fehler ist das Schweigen aus Unsicherheit. Für Trauernde ist es schlimmer, wenn niemand etwas sagt, als wenn jemand unbeholfen etwas sagt.

Was wirkt: den Verlust benennen, kurz und ohne Floskel. Ein konkretes Angebot — „ich übernehme die Freitagsschicht“, „ich bringe dir morgen etwas mit“. Und Normalität, wo sie gewünscht ist: Trauernde wollen selten den ganzen Tag über den Todesfall sprechen.

Was nicht wirkt: „Melde dich, wenn du etwas brauchst.“ Trauernde melden sich nicht. Mehr dazu unter Beileidsbekundungen.

Wenn ein Kollege stirbt

Dann trauert das Team, und niemand ist dafür zuständig. Bewährt haben sich drei Dinge: eine klare Information an alle statt Gerüchten, ein Ort für Anteilnahme — ein Kondolenzbuch, eine Kerze, ein Platz mit Foto —, und die Frage an die Familie, ob eine Teilnahme an der Trauerfeier erwünscht ist.

Der Arbeitsplatz selbst ist heikel: Ihn sofort zu räumen wirkt kalt, ihn monatelang unberührt zu lassen belastet. Sprich mit dem Team, bevor entschieden wird.

Praktisch zu klären sind außerdem Zugänge, laufende Vorgänge und Kundenkontakte — sachlich, aber nicht am ersten Tag.

Was der Arbeitgeber melden muss

Stirbt ein Beschäftigter, endet das Arbeitsverhältnis. Zu regeln sind die Abrechnung offener Ansprüche gegenüber den Erben, Meldungen an Sozialversicherung und gegebenenfalls Berufsgenossenschaft sowie Leistungen aus betrieblicher Altersversorgung.

Die Hinterbliebenen sollten aktiv auf mögliche Ansprüche hingewiesen werden — Gruppenversicherungen und Versorgungszusagen tauchen auf keinem Kontoauszug auf, siehe Versicherungen nach einem Todesfall.

Häufige Fragen

Wie viele Tage Freistellung stehen zu? Das Gesetz nennt keine Zahl. Üblich sind ein bis zwei Tage; Tarifverträge regeln es oft konkreter.

Muss ich den Grund nennen? Für die Freistellung ja, in der Regel mit Nachweis — die Sterbeurkunde genügt.

Darf der Arbeitgeber die Freistellung ablehnen? Wenn § 616 BGB vertraglich ausgeschlossen ist, besteht kein Anspruch. Dann bleiben Urlaub oder unbezahlte Freistellung.

Was, wenn die Trauer länger wirkt? Dann ist es eine Gesundheitsfrage. Anlaufstellen stehen unter Trauerphasen.

Quellen

Dieser Text ordnet ein und ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Maßgeblich sind Arbeitsvertrag, Tarifvertrag und Betriebsvereinbarung.